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denkfehler:abstraktionsfehler:hypostasierung

Hypostasierung

Ein Denk- bzw. Abstraktionsfehler, der darin besteht, abstrakte Konzepte wie konkrete Dinge oder gar als Agenten mit Absichten und Hand­lungs­weisen zu behandeln.

Namensherkunft und andere Begriffe

Der Name leitet sich from Altgr. ὑπόστασις („darunter stehend“) was auch mit „Grundlage“ oder „Substanz” übersetzt werden kann. Die Hypostasierung bezeichne den Prozess, etwas Substanz zu geben.

  • Vergegenständlichung
  • (Fallacy of) misplaced concreteness

Hinweis: die Begriffe „Hypostasierung“ und „Reifikation“ werden oft als Synonyme verstanden und können in bestimmten Kontexten auch dieselben Denkfehler beschreiben. Beide Begriffe beschreiben jedoch (mindestens) zwei verschiedene Phänomene, die hier zur besseren Unterscheidbarkeit in zwei Artikeln mit unterschiedlichen Bezeichnungen beschrieben werden.

Auch die Abgrenzung zur Vermenschlichung ist in vielen Fällen eher schwierig, wie in den nachfolgenden Beispielen deutlich wird:

Beispiele

„Mutter Natur“

Die „Natur“ ist keine konkrete Sache, sondern ein abstraktes Konzept, welches eine Vielzahl von Phänomenen und deren Zusammenspiel übergreifend beschreibt. Noch weniger ist die „Natur“ ein bewusst handelndes Wesen mit menschlichen Intentionen, wie es Begriffe wie z.B. „Mutter Natur“ nahe legen:

Mutter Natur kümmert sich um ihre Kinder.
Mutter Natur schlägt zurück.

Offenkundig kann ein abstraktes Konzept weder Muttergefühle haben, noch Rachegelüste.

„Die Gesellschaft“

Die Gesellschaft ist schuld an XYZ.

Wohl jeder hat solche, vermeintlich „gesellschaftskritischen“ Aussagen schon gehört, die echte oder vermeintliche Missstände mit der Struktur und Eigenheiten „der Gesellschaft“ zu erklären versuchen.

Allerdings ist eine Gesellschaft ein abstraktes Konzept, das keine „Schuld“ an irgendetwas tragen kann. Durch die „Verdinglichung“ (womöglich sogar „Vermenschlichung“) des Konzeptes wird davon abgelenkt, dass es gewöhnlich durchaus Aktoren in der Gesellschaft gibt, die Missstände beheben können. Es wäre sinnvoller, diese klar zu benennen.

Übrigens sind im Zweifelsfall die Aktoren, die eine Gesellschaft verändern können, alle Mitglieder dieser Gesellschaft (wenn auch meist in unterschiedlichem Maße).

Ähnliches gilt für viele andere konzeptuelle Begriffe, hier nur ein paar Beispiele:

Das Patriarchat ist schuld daran, dass Frauen weniger verdienen als Männer.

Auch hier ist „das Patriarchat“ eine Abstraktion, die keine „Schuld“ tragen kann. Ganz im Gegensatz z.B. zu einem Arbeitgeber, der weiblichen Angestellten weniger bezahlt als männlichen. Um diesen Missstand zu beheben wäre es ein erster Schritt, den oder die wirklich dafür verantwortlichen klar zu benennen.

Einschränkungen

Eine Hypostasierung ist ein Denkfehler, bei dem ein abstrakter Begriff unzulässig in einer konkreten Bedeutung verwendet wird. Insbesondere durch Äquivokationen kann es aber zu Situationen kommen, wo dies nur schein­bar geschieht:

Abstrakte Begriffe mit konkreter Bedeutung

Abstrakte Begriffe können in spezifischen Fällen durchaus für konkrete Dinge stehen, etwa in Form eines totum pro parte ( Metonymie). Zum Beispiel:

Deutschland hat gewählt!

Offensichtlich ist das Land (Deutschland) keine Person und hat entsprechend kein Wahlrecht und kann nicht wählen. In diesem Fall bezieht sich der Ausdruck aber erkennbar auf die wahlberechtigte Bevölkerung des Landes („das Ganze steht für einen Teil“) und dies ist in der Tat eine Gruppe, die konkret (und wahl­be­rech­tigt) ist.

Konkrete Begriffe mit abstrakter Bedeutung

Auch der umgekehrte Fall ist möglich: ein abstrakter Ausdruck kann in einem scheinbar konkreten Zu­sam­men­hang gebracht werden, der aber in dem spezifischen Zusammenhang abstrakt gemeint ist:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Offensichtlich ist die Menschenwürde ein abstrakter Begriff, der schon mangels einer physischen Reprä­senta­tion nicht „angetastet“ werden kann. Allerdings wird „antasten“ hier auch nicht im eigentlichen, kon­kreten Sinne gebraucht, sondern in einem übertragenen, abstrakten, der besagt, dass etwa das keine Gesetze erlassen werden dürfen, welche die Menschenwürde unnötig beschränken, u.ä.

Siehe auch

Weitere Informationen

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