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denkfehler:allwissenheitsirrtum:sherlock_holmes_fehlannahme

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denkfehler:allwissenheitsirrtum:sherlock_holmes_fehlannahme [2020/08/26 12:36]
sascha [Verhältnis zu anderen Denk- oder Argumentationsfehlern]
denkfehler:allwissenheitsirrtum:sherlock_holmes_fehlannahme [2021/03/29 14:49] (aktuell)
sascha [Sherlock-Holmes-Fehlannahme]
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 ====== Sherlock-Holmes-Fehlannahme ====== ====== Sherlock-Holmes-Fehlannahme ======
  
-Die (falsche) Annahme, man könnte aus einer unbestimmten Reihe von möglichen Ursachen durch einen Eliminationsprozess die verbleibende wahre Ursache herausfinden.+Die (falsche) Annahme, man könnte aus einer unbestimmten Reihe von möglichen Ursachen durch einen Eliminations­prozess die verbleibende wahre Ursache herausfinden.
  
-Dieser Denkfehler ist nach der fiktionalen Figur [[wpde>Sherlock Holmes]] aus [[wpde>Arthur Conan Doyle]]s Detektivgeschichten benannt. Darin wird seine Wahrheitsfindungsstrategie wie folgt beschrieben:+Dieser Denkfehler ist nach der fiktiven Figur [[wpde>Sherlock Holmes]] aus [[wpde>Arthur Conan Doyle]]s Detektivgeschichten benannt. Darin wird seine Wahrheitsfindungsstrategie wie folgt beschrieben:
  
-//„Wenn man alle unmöglichen Fälle ausgeschlossen hat, dann muss, was auch immer übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich es ist, die Wahrheit sein.“//+> „Wenn man alle unmöglichen Fälle ausgeschlossen hat, dann muss, was auch immer übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich es ist, die Wahrheit sein.“
 ===== Beschreibung ===== ===== Beschreibung =====
  
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 > A<html><sub>n-1</sub></html> ist //falsch.// > A<html><sub>n-1</sub></html> ist //falsch.//
 > ——————— > ———————
-> <html><span title="daraus folgt">∴</span></html> <html>A<sub>n</sub></htmlist //wahr.//+> <html><span title="daraus folgt">∴</span></html> <html><s class="invalid">A<sub>n</sub> ist <em>wahr</em>.</s></html>
  
-Es wird deutlich, dass dieser Schluss nur dann gültig sein kann, wenn wirklich //alle möglichen Fälle// aufgelistet und //alle bis auf einen// sicher ausgeschlossen werden können.+Hieran sieht man, dass es gleich mehrere Probleme mit dieser Vorgehensweise gibt:
  
-Um eine vollständige Liste aller Möglichkeiten aufzustellen müsste man jedoch ein vollständiges Wissen über alle möglichen Fälle haben, was jedoch außerhalb von Problemen in der formalen Logik und Mathematik praktisch nie möglich ist – insbesondere nicht bei Fragendie komplexe (womöglich soziale oder psychologische) Themen betreffen – wie das nun mal in der Kriminalistik der Fall ist.+Zunächst einmal muss man [[denkfehler:allwissenheitsirrtum:hauptseite|vollständiges Wissen]] über alle möglichen Fälle haben, um sicher zu stellen, dass es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, die nicht aufgeführt wurde. Dies ist außerhalb von formellen Sys­temen (wie z.B. der Mathematik) so gut wie unmöglich zu leisten. Auf gar keinen Fall geht es in einem Bereichin dem komplexe soziale oder psychologische Begebenheiten eine Rolle spielen, wie es in der [[wpde>Kriminalistik]] der Fall ist.
  
-Ebenso müssten für das logisch korrekte Ausschließen jedes einzelnen Falles ein enormer Aufwand betrieben werden, was wiederum außerhalb von formalen Problemen (Mathematik/Logik) nicht zu leisten ist.+Zweitens müssen alle Fälle (bis auf einen) wirklich //eindeutig// ausgeschlossen werden können. Auch hierfür müsste man für jeden dieser Fälle //vollständiges Wissen// über alle Rahmenbedinungen mitbringen, was so gut wie nicht zu leisten ist – letzten Endes wird man die meisten Fälle höchstens //mit einer gewissen Wahr­schein­lich­keit // ausschließen können und nie //absolut//.
  
-Tatsächlich benutzt //Sherlock Holmes// in den genannten Geschichten dann auch fast ausschließlich ​[[wp>​https:​//en.wikipedia.org/wiki/Abductive_reasoning|abduktive]] Schlussfolgerungen, welche den formellen Anforderungen an eine solche rigide Form des logischen Schließens nicht gerecht werden.+Tatsächlich benutzt //Sherlock Holmes// in den genannten Romanen dann auch fast ausschließlich ​[[logik:begriffe:abduktion|abduktive]] Schlussfolgerungen, welche den formellen Anforderungen an eine solche rigide Form eines logischen Schlusses nicht gerecht werden.
     
 Als fiktive Romanfigur hat Sherlock Holmes jedoch den Vorteil, dass der Autor dafür sorgen kann, dass sich die so gewonnenen Erkenntnisse stets als wahr herausstellen. Als fiktive Romanfigur hat Sherlock Holmes jedoch den Vorteil, dass der Autor dafür sorgen kann, dass sich die so gewonnenen Erkenntnisse stets als wahr herausstellen.
denkfehler/allwissenheitsirrtum/sherlock_holmes_fehlannahme.1598438201.txt.gz · Zuletzt geändert: 2021/01/09 13:42 (Externe Bearbeitung)