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logik:begriffe:abduktion

Abduktion (Logik)

Logischer Schluss, bei dem auf eine wahrscheinlich richtige Aussage ge­schlossen wird. Abduktive Aussagen sind nicht absolut wahr, sondern (bestenfalls) gültig und ergeben dann nur ein mit einer hohen Wahr­schein­lich­keit korrektes Ergebnis.

Anna hat in Mathematik-Klausuren bisher stets gute Noten erzielt.
Wahrscheinlich ist Anna eine gute Schülerin und wird weiter gute Noten bekommen.

Die Schlussfolgerung ist naheliegend, und – solange man sich darüber im Klaren ist, dass sie nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gültig ist – durchaus zulässig.

Allerdings muss man in so einem Fall auch darüber im Klaren sein, dass sich der Schluss jederzeit ändern können muss, wenn weitere Informationen verfügbar werden – in diesem Beispiel z.B. wenn die nächste Klassen­arbeit nicht mehr ganz so gut ausfällt.

Andere Namen

  • Ἀπαγωγή [apagōgē] / Ap­a­go­ge.

Beschreibung

Das Ergebnis einer Abduktion ist nicht zwingend wahr, sondern lediglich eine plausible Vermutung, die dann noch verifiziert werden muss. Dafür erlaubt sie es, Vorhersagen zu begründen, was mit den Mitteln der klas­sischen Logik (Deduktion und Induktion) nicht möglich wäre, wie z.B. das Beispiel oben mit der Schulnote zeigt.

Offensichtlich kommt eine solche wahrscheinliche Schlussfolgerung dafür mit zahlreichen Einschränkungen. Werden diese nicht oder unzureichend beachtet, können verschiedene Fehler auftreten, davon werden einige in den folgenden Artikeln beschrieben:

Beispiele

Medizinische Diagnose

Eine typische medizinische Diagnose ist ein gutes Beispiel für abduktive Schlussfolgerunden: aus den Infor­mationen, die mittels Anamnese erhalten werden, wie Krankheitssymptome, Vorerkrankungen u.s.w. sowie aus den Fachkenntnissen und Erfahrungen wird ermittelt, welche Erkrankung am wahrscheinlichsten ist.

Sicher hat jeder schon Geschichten gehört, wo solche medizinischen Diagnosen sich dann im Nachhinein als unzureichend oder sogar komplett als falsch herausgestellt haben. Dies liegt leider in der Natur der Sache, da eine notwendig korrekte Diagnose nur bei vollständigem Wissen über alle relevanten Faktoren möglich wäre, was praktisch nicht möglich ist.

Hinweis: Während des Medizinstudiums lernen zukünftige Ärztinnen bzw. Ärzte bei der Anam­nese we­nigs­tens die häufigsten Fehler – die z.B. aus der eigenen Bestätigungsneigung entstehen können – zu ver­meiden. Es liegt nahe, dass in der späteren Berufsausübung trotzdem manche darin besser sind als andere und dass selbst die Besten auch wenigstens manchmal daneben liegen werden. Im Zweifels­fall sollte man aber trotzdem der Diagnose von ausgebildeten Ärzten eher vertrauen, als der von Laien oder gar von Un­bekannten aus dem Internet.

Sherlock Holmes’ Schlussfolgerungen

Anders als der Autor seinen berühmten Detektiv erklären lässt, sind praktisch alle seine Schlussfolgerungen – zumindest die in den originalen Büchern – keine Deduktionen, sondern Abduktionen.

Wenn Holmes etwa anhand der Verschmutzungen an der Kleidung darauf schließt, dass sich jemand an einem Ort aufgehalten hat, wo ein spezifischer Typ an Erdboden vorherrscht, ist dies zunächst einleuchtend und auch mit großer Wahrscheinlichkeit korrekt, aber eben nicht zwingend wahr. Die Verschmutzung hätte z.B. auch in­direkt erfolgen können, etwa durch Kontakt mit einem verschmutzten Fuhr­werk, das in der jeweiligen Gegend unterwegs war. Oder die Person könnte bereits – womöglich von einer anderen Person – verschmutzte Klei­dung angezogen haben.

Zweifellos sind die anderen Erklärungen deutlich weniger wahrscheinlich als die von dem Detektiv gewählte, aber im echten Leben können sie nicht so einfach ausgeschlossen werden, wie in einem Roman – wo der Autor natürlich die „wahre“ Begebenheit kennt.

Der Romandetektiv ist übrigens auch Namensgeber für die sog. Sherlock-Holmes-Fehlannahme, die hiermit aber nur indirekt zu tun hat.

Siehe auch

Weitere Informationen

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logik/begriffe/abduktion.txt · Zuletzt geändert: 2021/02/20 18:32 von Sascha Leib