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„Maskierter Mann“

Beschreibt einen formellen Mehr­deutig­keits­fehler, bei dem Begriffe, die sich auf das­selbe Objekt beziehen können (Synonyme) aus­tausch­bar ge­braucht werden, in einem Zu­sammen­hang, in dem sie nicht-identische Kon­nota­tionen (Neben­­bedeut­ungen) haben.

Beispiel:

Die Begriffe „Morgenstern“ und „Abendstern“ bezeichnen beide den Planeten Venus.
Der Morgenstern ist am Morgen zu sehen.
Also ist auch der Abendstern am Morgen zu sehen.

Auch wenn die Extension der beiden Begriffe identisch ist (sie bezeichnen beide den Planeten Venus), sind es doch nicht in jedem Fall echte Synonyme, da sie mit jeweils unter­schiedlichen In­ten­sionen verknüpft sind: im Falle des Begriffes „Abendstern“ eben damit, dass man ihn am Abend sieht.

Andere Namen

  • Intensionaler Fehlschluss
  • Illicit substitution of identicals
  • Intensional fallacy

Beschreibung

Die „Maskierter Mann“-Fehlannahme gehört auch zur Gruppe der Mehrdeutigkeitsfehler, stellt aber quasi das Gegenstück zu den anderen, auf Extensionen beruhenden Mehrdeutigkeitsfehlern dar: Während es dort um einen Ausdruck geht, der in verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, sind es hier mehrere Ausdrücke, die scheinbar dieselbe Bedeutung haben – allerdings mit unter­schied­lichen In­ten­sionen.

Ursprung des Ausdruckes

Der Ausdruck „maskierter Mann“ basiert auf einem Paradoxon, das der griechische Philosoph Eubulides von Milet formuliert haben soll:

Du siehst einen Mann, der eine Maske trägt.
Aufgrund der Maske erkennst du nicht, dass es sich um deinen Vater handelt.
Das heißt, du weißt nicht, wer der maskierte Mann ist;
Gleichzeitig weißt du aber, wer dein Vater ist.
Daher kennst du den maskierten Mann und kennst ihn gleichzeitig nicht.

In dieser Geschichte bezeichnen die Begriffe „maskierter Mann“ und „dein Vater“ dieselbe Person (Extension), gleichzeitig sind die Attribute der so bezeichneten Person unterschiedlich (Intension). Der daraus entstehende Widerspruch führt hier zu einem Paradoxon.

Weitere Beispiele

Intensionen im Gottesbegriff

Der Papst glaubt an Gott.
Der Begriff „Gott“ beschreibt dieselbe Wesenheit wie „Allah“.
Also glaubt der Papst an Allah.

Auch wenn sich Christentum, Islam und Judentum aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte auch nach allgemeinem Selbstverständnis auf denselben Gott berufen und sowohl „الله“ [Allāh], wie auch „יהוה“ [JHWH ] durchaus als reine Übersetzungen von „Gott“ angesehen werden können (und z.T. auch so gebraucht werden), haben die arabischen und hebräischen Begriffe weiter­gehende Intensionen, welche einen Schluss wie den obigen im Wege stehen.

Siehe auch

Weitere Informationen

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