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Trugschluss der Division

Ein Fehlschluss in Form eines Emergenzfehlers, bei dem unzulässig von Eigenschaften einer Gruppe auf die Mitglieder der Gruppe geschlossen wird.

Katzen sind vierbeinige Tiere.
Findus ist eine Katze.

Also hat Findus vier Beine.

Während es wahr ist, dass Katzen kollektiv eine vierbeinige Spezies sind, hat diese spezifische Katze leider bei einem Verkehrsunfall ein Bein verloren und daher nur noch drei davon.

Andere Namen

  • Teilungsfehler
  • Trugschluss der Teilung
  • Fallacy of division
  • Fallacia divisionis

Beschreibung

Der Trugschluss der Division ist das Gegenstück zum Trugschluss der Komposition und kann wie dieser in zwei Varianten auftreten:

Kollektive Eigenschaften

Zum einen kann eine kollektive Aussage, also eine Aussage, welche typische Eigenschaften einer Gruppe oder Menge beschreibt, als eine distributive missverstanden werden, also als Aussage über alle Elemente der Gruppe, so wie in dem Beispiel mit der dreibeinigen Katze oben.

Typisch für diese Form ist, dass sie gewöhnlich gültige abduktive Schlüsse darstellen: Würde man den Schlusssatz wie folgt umformulieren, wäre dies eine gültige abduktive Schlussfolgerung:

Wahrscheinlich hat Findus (über den wir keine weiteren relevanten Infor­mationen haben) auch vier Beine.

Emergente Eigenschaften

In anderen Fällen kann es sich um eine missbräuchliche Übertragung von emergenten Eigen­schaften eines Gesamt­systems auf dessen Bestand­teile handeln. Mit anderen Worten: Eigen­schaften, die nur dadurch ent­stehen, dass die Einzel­teile zusammenspielen, sind keine, die sich notwendigerweise auch in den Bestand­teilen wieder­finden lassen ( Emergenz).

Beispiele

Bewusstsein

Das Bewusstsein ist ein komplexes philosophisches (und neurologisches) Phänomen, welches zahl­reiche Fragen aufwirft, die sich bisher nicht abschließend klären ließen. Dazu gehören u.a. die Fragen, wie in unserem Nervensystem so etwas wie ein „Bewusstsein“ entsteht und welche anderen Lebensformen mit einem Bewusstsein ausgestattet sind.

Ein gelegentlich gehörter Vorschlag, diese Probleme zu umgehen kann etwa wie folgt formuliert werden:

„Was, wenn das Bewusstsein nicht im Nervensystem angesiedelt,
sondern eine Eigenschaft von Atomen und Molekülen ist?“

Mit anderen Worten: es wird vorgeschlagen, Bewusstsein nicht als emergentes Merkmal eines komplexen Nerven­systems an­zusehen, sondern als resultantes Merkmal, dass bereits auf der atomaren bzw. mole­ku­laren Ebene angelegt ist.

Hiermit werden die o.g. Probleme natürlich nicht gelöst, sondern nur von der einen auf eine andere Ebene verschoben, denn nun ist die Frage natürlich, wie das Phänomen auf der Ebene von Atomen bzw. Molekülen zustande kommt. Dazu kommt, dass dieser Form des Reduktionismus jegliche Er­klär­ungs­kraft, die einer emergenten Bewusstseinstheorie inne ist, fehlt, also letztlich weniger Plau­si­bili­tät hat als das, was weg­erklärt wird.

Zenons Pfeilparadoxon

Der griechische Philosoph Zenon von Elea ist heute vor allem für die von ihm beschriebenen Paradoxien bekannt. Das folgende, sogenannte „Pfeil-Paradox“ kann wie folgt formuliert werden:

Ein Pfeil befindet sich zu jedem Zeitpunkt während seines Fluges an einem bestimmten Ort.
Während jedes Zeitpunktes (der ja eine Länge von 0 hat) gibt es keine Bewegung.
Was aber für jeden Zeitpunkt während einer Zeitspanne wahr ist, muss auch für die Zeitspanne als Ganzes wahr sein.
Also kann der Pfeil sich nicht bewegen.

Was Zenon übersieht (oder wovon er elegant ablenkt) ist, dass Bewegung erst über einen Zeitraum entsteht, d.h. erst, wenn eine Menge von Zeitpunkten zusammenkommt. Sie ist nicht in den Zeitpunkten angelegt.

Streng genommen ist Bewegung kein echtes emergentes Merkmal, da sie sich auch aus Kenntnis aller physischen Eigen­schaften des Objektes zu den einzelnen Zeit­punkten ableiten lässt (ins­be­son­dere aus Kenntnis der Bewegungs­energie). Auf jeden Fall entsteht Bewegung aber erst in einem Zeitraum, nicht zu einem Zeitpunkt.

Siehe auch

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