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Trugschluss der Komposition

Ein Fehlschluss in Form eines Emergenzfehlers bei dem unzulässig von Teilen auf das Ganze geschlossen wird.

Beispiel:

Chlor ist giftig.
Natrium ist giftig.

Daher ist auch Natriumchlorid giftig.

Natriumchlorid, besser bekannt als „Kochsalz“, ist ein lebensnotwendiger Nahrungsbestandteil, obwohl die atomaren Bestandteile gefährliche Chemikalien sind.

Andere Namen

  • Verallgemeinerungsfehler
  • Trugschluss der Verallgemeinerung
  • Fallacy of composition
  • Fallacia compositionis
  • Exception fallacy

Beschreibung

Der Trugschluss der Komposition ist das Gegenstück zum Trugschluss der Division und kann wie dieser in zwei Varianten auftreten:

Zum einen kann eine resultante Veränderung der Eigenschaften eines Gruppenbegriffes falsch dargestellt werden: z.B. wird übersehen, dass bei chemischen Reaktionen Energie frei wird und dadurch das Gewicht der neuen Verbindung nicht der Summe der Bestandteile entspricht, etc.

Zum anderen können emergente Eigenschaften der Komposition übersehen werden, also neue Eigenschaften des zusammengesetzten Systems, die nicht in den Einzelteilen erkennbar sind.

Beispiele

Teamwork

Man nehme zum Beispiel eine Fußballmannschaft, die nur aus den besten Spielern besteht:

A ist der beste Stürmer,
B ist der beste Mittelfeldspieler,

K ist der beste Torwart.
Alle zusammen sind die beste Fußballmannschaft.

Zwar ist es hilfreich, herausragende Spiele in einer Mannschaft zu haben, aber um die „beste“ Mannschaft zu sein, müssen diese auch hervorragend zusammenspielen. Dieses „Zusammenspiel“ ist eine solche emergente Eigen­schaft einer Mannschaft, welche die einzelnen Spieler für sich alleine nicht haben können.

Entsprechende könnte man auch z.B. über ein Orchester, Bands, sowie unzählige andere Gruppierungen gesagt werden, bei denen gutes Teamwork ein wichtiges Erfolgskriterium ist.

Eigentümliche Funktion des Menschen

In seiner Nikomachischen Ethik schreibt Aristoteles:

„Sollte es nun bestimmte Leistungen und Tätigkeiten für den Zimmermann oder Schuster geben, für den Menschen als Menschen aber keine, sondern sollte dieser zu stumpfer Tätigkeit geboren sein? Sollte nicht vielmehr so wie Auge, Hand, Fuß, kurz jeder Teil des Körpers seine besondere Funktion hat, auch für den Menschen über all diese Teilfunktionen hinaus eine bestimmte Leistung anzusetzen sein?“

Was Aristoteles hierbei zu übersehen scheint, ist, dass diese Funktionen erst in Relation zu einem höheren Organisations­niveau definierbar sind: ein Organ ohne Körper hat keine Funktion, ebenso wie ein Handwerker ohne eine Ge­mein­schaft, für die er seine Waren produziert.

In diesem Sinne ist die „Funktion“ – zumindest so wie Aristoteles sie hier benutzt – eine emergente Eigen­schaft, die noch nicht in den Bestandteilen vorhanden ist. Sie für „den Menschen“ ohne Festlegung dieser Relation beschreiben zu wollen, ist daher problematisch.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Aristoteles später „gutes Handeln“ in Relation zur Polis als Ziel beschreibt, was diese Relation wieder herstellt.

Siehe auch

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