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rhetorik:begriffe:aequivokation:prosodie

Prosodie

Bezeichnet eine sprachliche Mehrdeutigkeit, bei dem eine Aussage je nach Betonung in unterschiedlichen Bedeutungen interpretiert werden kann.

Beispiel (Schild vom Bahnhofsvorplatz Limburg, gesehen im Dezember 2004):

Dieser Bereich wird zur Vermeidung von Straftaten durch die Polizei videoüberwacht.

Hierin kann derselbe Satz auf zwei, völlig entgegengesetzte Weisen verstanden werden, je nachdem ob nach dem Wort „Straftaten“ eine Pause eingefügt wird, oder nach dem Wort „Polizei“.

Andere Namen

  • Προσῳδία [Prosōidía] (Altgr.: Betonung, Akzent, Satzmelodie)
  • Accentus (Lat.: Akzent)
  • Accent Fallacy
  • Emphasis Fallacy

Beschreibung

Die Prosodie wird bereits von Aristoteles in den Sophistischen Widerlegungen erwähnt (προσῳδία [prosōidía], in der lateinischen Übersetzung: „accentus“). Es ist heute strittig, was genau damit gemeint war, aber die Bedeutung des Wortes (Betonung, Akzent, Satzmelodie, …) deutet darauf hin, dass diese der heutigen Bedeutung zu­mind­est sehr nahe ist.

Demnach ist die Prosodie eine Form von Amphibolie, welche wiederum eine Form von Äquivokation ist.

Bedeutung

Als Quelle logischer Irrtümer dürfte die Prosodie eher selten auftreten, dafür ist sie ein beliebtes Stilmittel der humoristischen oder kabarettistischen Unterhaltung.

Beispiele

  • „Der Mann sah die Frau mit dem Fernglas.“
  • „Regierung lässt Arbeiter hängen.“
  • „Viele Menschen fürchten nicht geliebt zu werden.“
  • „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.“
  • „Kommissionspräsidentin rät ab jetzt Sommerurlaub zu buchen.“ (April 2020)

Siehe auch

  • Sophisma – eine Form von logischem Rätsel, das oft auf einer Prosodie beruht
  • Amphibolie – Mehrdeutigkeit aufgrund der grammatikalischen Struktur eines Satzes.

Weitere Informationen

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rhetorik/begriffe/aequivokation/prosodie.txt · Zuletzt geändert: 2021/02/20 12:13 von Sascha Leib