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rhetorik:scheinargumente:autoritaetsargument:hauptseite [23.03.21, 15:18:37]
sascha [Umgekehrtes Autoritätsargument]
rhetorik:scheinargumente:autoritaetsargument:hauptseite [17.04.21, 10:08:20] (aktuell)
sascha [Umgekehrtes Autoritätsargument]
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 ==== Umgekehrtes Autoritätsargument ==== ==== Umgekehrtes Autoritätsargument ====
  
-Eine Variante des //Autoritätsargumentes// besteht in der Zurückweisung einer Position, alleine weil sie //nicht// von einem Experten stammt.+Eine Variante des //Autoritätsargumentes// besteht in der Zurückweisung einer Position, alleine weil sie //nicht// von einem Experten stammt. Dies kann man dann als eine Form von <html><i lang="la"></html>[[rhetorik:ablenkungsmanoever:ad_hominem:hauptseite|ad Hominem]]<html></i></html>-Argument ansehen.
  
 Gewöhnlich wird Expertentum dabei an einer formellen fachlichen Ausbildung oder am Renommée festgemacht. Man bekommt dann Aussagen wie die folgende zu hören: Gewöhnlich wird Expertentum dabei an einer formellen fachlichen Ausbildung oder am Renommée festgemacht. Man bekommt dann Aussagen wie die folgende zu hören:
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 > <html><s class="invalid">Das kann XYZ gar nicht wissen, der hat das nicht studiert.</s></html> > <html><s class="invalid">Das kann XYZ gar nicht wissen, der hat das nicht studiert.</s></html>
  
-Prinzipiell ist es für die Gültigkeit eines Argumentes zunächst völlig irrelevant, //von wem// es vorgebracht wird – dies gilt im negativen Sinne ebenso wie im positiven. Und ebenso wie sich auch Experten (zumindest gelegent­lich) irren, haben Laien auch korrekte Einsichten.+Prinzipiell ist es für die Gültigkeit eines Argumentes zunächst völlig irrelevant, //von wem// es vorgebracht wird – dies gilt im negativen Sinne ebenso wie im positiven. Und ebenso wie sich auch Experten (zumindest gelegent­­lich) irren, haben Laien auch korrekte Einsichten.
  
 Während //alleine// die Tatsache, dass eine Position von einem Außenseiter vorgebracht wird, kein Grund ist, sie zurück­­zu­­weisen, sollte man die Beweise, die für die Position vorgebracht werden, grundsätzlich kritisch be­trachten um zu sehen, ob sie wirklich stichhaltig sind. Während //alleine// die Tatsache, dass eine Position von einem Außenseiter vorgebracht wird, kein Grund ist, sie zurück­­zu­­weisen, sollte man die Beweise, die für die Position vorgebracht werden, grundsätzlich kritisch be­trachten um zu sehen, ob sie wirklich stichhaltig sind.
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 Beispiel: Beispiel:
-> A: //Unfallflucht ist in Deutschland strafbar!// +> A: Unfallflucht ist in Deutschland strafbar! 
-> B: //Wer sagt das?// +> B: Wer sagt das? 
-> A: //Das steht im// [[http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__142.html|Strafgesetzbuch, § 142]].+> A: Das steht im [[http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__142.html|Strafgesetzbuch, § 142]].
  
 Da das Straf­gesetz­buch eine normative Autorität ist, ist ein solcher Verweis gerechtfertigt. Da das Straf­gesetz­buch eine normative Autorität ist, ist ein solcher Verweis gerechtfertigt.
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 Ähnliches gilt für Institutionen, die eine Ent­scheidungs­gewalt haben. So eine Institution sind z.B. die Eltern, die ihren Kindern bestimmte Vorgaben machen dürfen. Jeder, der selbst Kinder hat, kennt wohl Diskussionen wie im folgenden Beispiel: Ähnliches gilt für Institutionen, die eine Ent­scheidungs­gewalt haben. So eine Institution sind z.B. die Eltern, die ihren Kindern bestimmte Vorgaben machen dürfen. Jeder, der selbst Kinder hat, kennt wohl Diskussionen wie im folgenden Beispiel:
  
-> Kind: //Warum muss ich denn schon in’s Bett?// +> Kind: Warum muss ich denn schon in’s Bett? 
-> Vater: //Weil ich und deine Mutter festgelegt haben, dass 8 Uhr für dich Schlafenszeit ist.//+> Vater: Weil ich und deine Mutter festgelegt haben, dass 8 Uhr für dich Schlafenszeit ist.
  
 Das Festlegen der Schlafens­zeit gehört zur normativen Kompetenz der Eltern und entsprechend reicht der Verweis darauf aus, um diese Diskussion zu beenden (Kinder sehen das mitunter anders).  Das Festlegen der Schlafens­zeit gehört zur normativen Kompetenz der Eltern und entsprechend reicht der Verweis darauf aus, um diese Diskussion zu beenden (Kinder sehen das mitunter anders). 
  
-Bis zur [[wpde>Reform der deutschen Recht­schreibung von 1996]] war der [[wpde>Duden]] die normative Autorität zur deutschen Rechtschreibung. Auch wenn dies heute nicht mehr gilt, kann man bei Fragen zur korrekten Schreibweise von Wörtern zumindest immer noch davon ausgehen, dass die Redaktionen der großen Wörterbuchverlage einen gewissen //Wissensvorsprung// in diesem Bereich haben und man sie deshalb ernst nehmen sollte.+Bis zur [[wpde>Reform der deutschen Recht­schreibung von 1996]] war der [[wpde>Duden]] die normative Autorität zur deutschen Rechtschreibung. Auch wenn dies heute nicht mehr gilt, kann man bei Fragen zur korrekten Schreib­weise von Wörtern zumindest immer noch davon ausgehen, dass die Redaktionen der großen Wörter­buch­verlage einen gewissen //Wissensvorsprung// in diesem Bereich haben und man sie deshalb ernst nehmen sollte.
 ==== Deutlicher Wissensvorsprung ==== ==== Deutlicher Wissensvorsprung ====
  
-Des weiteren ist ein Verweis auf eine Autorität gerechtfertigt, wenn diese ein deutlich größeres Wissen zum Thema als die Diskussions­teil­nehmer hat.+Des Weiteren ist ein Verweis auf eine Autorität gerechtfertigt, wenn diese ein deutlich größeres Wissen zum Thema als die Diskussions­teil­nehmer hat.
  
 So sollte man z.B. zunächst davon ausgehen, dass ein zugelassener Arzt, nach langjähriger Ausbildung und praktischer Erfahrung, einen Wissensvorsprung vor den meisten – auch medizinisch interessierten – Patienten hat, der ernst genommen werden sollte. So sollte man z.B. zunächst davon ausgehen, dass ein zugelassener Arzt, nach langjähriger Ausbildung und praktischer Erfahrung, einen Wissensvorsprung vor den meisten – auch medizinisch interessierten – Patienten hat, der ernst genommen werden sollte.
  
-> A: //Warum nimmst du Antibiotika? Die schaden doch mehr, als sie nützen.// +> A: Warum nimmst du Antibiotika? Die schaden doch mehr, als sie nützen. 
-> B: //Weil mein Arzt sie mir verschrieben hat um die Infektion zu bekämpfen.//+> B: Weil mein Arzt sie mir verschrieben hat um die Infektion zu bekämpfen.
  
 Auch wenn sich – siehe oben – auch Ärzte täuschen können und unterschiedliche Herangehensweisen an bestimmte Erkrankungen haben, wiegt die Empfehlung des Arztes zunächst (bis zum Beweis des Gegenteils) deutlich schwerer als eine eventuelle Laienmeinung zum selben Thema. Auch wenn sich – siehe oben – auch Ärzte täuschen können und unterschiedliche Herangehensweisen an bestimmte Erkrankungen haben, wiegt die Empfehlung des Arztes zunächst (bis zum Beweis des Gegenteils) deutlich schwerer als eine eventuelle Laienmeinung zum selben Thema.