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rhetorik:unfaire_diskussionstaktiken:argumentum_ad_baculum

(Argumentum) ad Baculum

Missbrauch einer Machtposition zur Durchsetzung einer Position, indem negative Konsequenzen angedroht oder durchgeführt werden, anstatt durch sachliche Argumente zu überzeugen.

Beispiel:

Iss deinen Spinat, oder es setzt Prügel!

Namensherkunft

Der lateinische Ausdruck wird meist als „Argument mit dem Stock“ übersetzt, was gewöhnlich als „Androhung oder Ausübung von Gewalt“ verstanden wird. Allerdings kann „baculum“ auch für einen Befehlshaberstab stehen, ein Insignium, welches (meist militärische) Befehlsgewalt ausdrückt; Man kann es daher auch als „Drohung mit Autorität“ verstehen.

Andere Namen

  • Drohung
  • Appeal to force

Beschreibung

Obwohl der lateinische Ausdruck argumentum ad baculum explizit auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt hinweist, muss man das Drohszenario relativ weit auslegen und jede Form von missbräuchlicher Macht­­ausübung – oder eben die Androhung ebendieser – einschließen.

Das obige Beispiel unterscheidet sich nicht wesentlich von dem folgenden, auch wenn darin keine Gewalt im eigentlichen Sinne angedroht wird:

Iss deinen Spinat, oder du hast am Wochenende Hausarrest!

Selbst die Drohung mit dem Verweigern von (erwarteten) positiven Ereignissen fällt in diese Kategorie:

Sie stimmen mir beim Meeting mit dem Chef gefälligst zu, sonst wird das nichts mit ihrer Beförderung!

In allen Fällen wird eine Machtposition (z.B. physische Stärke oder Entscheidungsgewalt) anstelle von über­zeugenden sachlichen Argumenten gebraucht, um eine Streitfrage im eigenen Sinne zu klären.

Auch der Begriff der Machtposition ist hier weit auszulegen: wenn z.B. der Betreiber eines Social-Media-Accounts mit großer Reichweite oder großem Einfluss damit droht, einen „Shitstorm“ über jemanden zu bringen, der eine unerwünschte Meinung vertritt, dann ist das auf jeden Fall ein solcher Machtmissbrauch. Das gilt auch, wenn dieser sich ansonsten als Vertreter einer „machtlosen“ oder gar unterdrücken Gruppe definiert.

Einordnung

Da sich eine solche Drohung nicht gegen ein Argument an sich richtet, sondern die Person unter Druck setzt, werden Drohungen hier zu den ad-hominem-Argumenten gezählt.

Man könnte auch argumentieren, dass es hierbei nicht um die Diskreditierung der Position des Gegners (gegen­über Dritten), sondern um das Erzwingen eines Einlenkens geht, sodass dies in einer eigenen Kategorie landen müsste.

Implizite Drohung

Der ausschlaggebende Aspekt dieses Fehlargumentes ist der Missbrauch einer Machtposition um andere zum Einlenken zu bewegen – wenn dieses Machtgefällt hinreichend erkennbar ist, kann auf eine explizite Drohung oft verzichtet werden.

So wird in vielen Fällen der Vorgesetzte aus dem obigen Beispiel erst gar nicht wirklich in aller Deutlichkeit mit Konsequenzen drohen müssen:

Sie stimmen mir beim Meeting mit dem Chef gefälligst zu!

Ebenso die Eltern:

Iss jetzt gefälligst deinen Spinat!

Aber auch ohne die explizite Drohung handelt es sich um ein argumentum ad baculum, da nicht durch bessere Argumente überzeugt, sondern der Gesprächspartner unter Druck gesetzt wird.

Drohung mit Gewalt

Die Drohung mit Gewalt ist grundsätzlich nicht zu rechtfertigen. Noch weniger natürlich deren tatsächliche Ausübung.

Ein Ausnahme ist es, wenn man selbst physisch angegriffen wird. Dann hat man natürlich das Recht, sich im Rahmen der Verhältnismäßigkeit zur Wehr zu setzen. Ebenso kann im Rahmen der Rechtsdurchsetzung, etwa durch die Polizei, Gewalt angedroht (und auch eingesetzt) werden (siehe unten). Beides hat dann aber nichts mehr mit Rhetorik zu tun.

Einschränkungen

Drohung mit (legitimen) Konsequenzen

Die Androhung von negativen Konsequenzen die sich aus Verstößen gegen allgemein anerkannte Regeln und Gesetze ergeben (z.B. die Drohung mit einer Gefängnisstrafen für ein Verbrechen) wäre zwar auch ein argu­mentum ad baculum in diesem Sinne, kann aber gerechtfertigt sein, solange diese Regeln nicht miss­bräuch­lich ausgelegt werden (etwa um ungewollte Meinungen zu unterdrücken).

Wenn sie nochmal hier parken, muss ich ihren Wagen abschleppen lassen!

Dies ist zwar immer noch eine Drohung, aber nicht missbräuchlich, wenn es einen sachlichen Grund dafür gibt, die Drohung wahr werden zu lassen (z.B. wenn eine Feuer­wehr­zufahrt, ein Behinderten­park­platz oder auch ein privater Parkplatz blockiert wird).

Ebenso können Eltern ihrem Nachwuchs mit negativen Konsequenzen (vom Handy­entzug bis zum Hausarrest) drohen (und das dann natürlich auch durchführen), wenn dieser gegen gesetzte Regeln verstoßen.

Siehe auch

Weitere Informationen

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rhetorik/unfaire_diskussionstaktiken/argumentum_ad_baculum.txt · Zuletzt geändert: 2021/01/19 18:45 von Sascha