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Irrtümer und Trugschlüsse en gros und en detail

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Allwissenheitsirrtum

Bezeichnet den (meist impliziten) Denkfehler, man könne vollständige Kenntnisse eines Themas oder Sachverhaltes haben, obwohl dies faktisch nicht möglich ist.

Dies zeigt sich sich meist in Aussagen, die als Allsätze formuliert sind.

Zum Beispiel:

Alle Schotten sind geizig.

Um eine solche Aussage zu treffen, müsste man wirklich alle Schotten gut genug kennen, um ihre Großzügigkeit bewerten zu können, was nach praktischen Gesichtspunkten nicht möglich ist.

Andere Namen

  • Argument from omniscience
  • Amazing familiarity

Beschreibung

Allsätze sind prinzipiell aussagekräftiger als Existenzsätze – nicht zuletzt gerade weil sie vollständiges Wissen mit sich bringen. Dies kann dazu verführen, vorschnell, d.h. aufgrund (zu) weniger Beispiele auf eine allgemeine Regel zu schließen (siehe → Vorschnelle Verallgemeinerung).

Auch rhetorisch können starke, allgemeine Aussagen den Eindruck erwecken, der Redner spreche mit Selbstbewustsein, aus einer Position der Stärke heraus. Dies kann überzeugend wirken, solange die Gültigkeit der Aussagen nicht hinterfragt wird.

Beispiele

Sherlock-Holmes-Fehlannahme

Der berühmte Detektiv beschreibt seine Methode zur Wahrheitsfindung wie folgt:

„Wenn man alle unmöglichen Fälle ausgeschlossen hat, dann muss, was auch immer übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich es ist, die Wahrheit sein.“

Dahinter steck der (implizite) Irrtum, es wäre möglich, Kenntnis aller potentiellen Fälle zu haben, und diese auch alle (bis auf einen) sicher und zuverlässig ausschließen zu können; Eine Aufgabe, die außerhalb von formellen Systemen auch für einen hyperintelligenten Detektiv nicht zu leisten ist. Siehe auch den Artikel zur Sherlock-Holmes-Fehlannahme.

Gerechtfertigte Anwendung

Vollständiges Wissen

Es gibt nur einige wenige Situationen, in denen vollständiges Wissen tatsächlich möglich ist:

In erster Linie ist es innerhalb von formellen Systemen (wie z.B. der Mathematik) möglich, allgemeingültige Aussagen aufzustellen, die auf von vollständigem Wissen beruhen. Zum Beispiel:

Alle geraden Zahlen sind durch zwei teilbar.

Wir wissen, dass diese Aussage für alle geraden Zahlen gültig ist, da sich dies aus der Definition des Ausdruckes „gerade Zahl“ ergibt (siehe hierzu auch → Tautologie).

Darüber hinaus kann es Situationen geben, in denen tatsächlich alle Elemente einer Menge bekannt sind. Zum Beispiel können Eltern gewöhnlich allgemeine Aussagen über ihre Kinder treffen:

Alle meine Kinder sind schon erwachsen.
Keines meiner Kinder heißt Horst.

Siehe auch

Weitere Informtionen

denkfehler/allwissenheitsirrtum/hauptseite.txt · Zuletzt geändert: 2020/09/01 14:26 von Sascha