Ad Hominem Info

Irrtümer und Trugschlüsse en gros und en detail

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


denkfehler:kausalitaetsirrtum

Kausalitätsirrtum

Denkfehler, bei dem aus dem gemeinsamen oder zeitlich aufeinander folgenden Auftreten von Phänomenen auf einen kausalen Zusammenhang geschlossen wird.

Beispiel:

Jeden morgen geht die Sonne auf, nachdem der Hahn gekräht hat.
Folglich geht die Sonne auf, weil der Hahn kräht.

Diese Schlussfolgerung ist sicher schmeichelhaft für den Hahn, aber wir wissen, dass die Sonne auch ohne das Krähen aufgehen wird. Wahrscheinlicher ist es, dass die durch die bald aufgehenden Sonne verursachte Dämmerung den Hahn weckt (umgekehrter und indirekter Kausalzusammenhang), oder dass er durch eine „innere Uhr“ genannte Körperfunktion geweckt wird (Scheinkorrelation) und dann anfängt zu krähen.

Andere Namen

  • Cum hoc ergo propter hoc („mit diesem, folglich wegen diesem“)
  • Post hoc ergo propter hoc („nach diesem, folglich wegen diesem“)
  • Non causa pro causa

Beschreibung

Wenn zwei Ereignisse miteinander oder in zeitlicher Abfolge auftreten, neigen wir dazu, hier einen Kausalzusammenhang zu vermuten. Alleine aus dem gemeinsamen Auftreten lässt sich dieser jedoch nicht ableiten.

Merke: Korrelation impliziert keine Kausalität.

Angenommen, es gibt zwei Ereignisse 𝚨 und 𝐁, die gemeinsam auftreten. Es müssen die folgenden möglichen Zusammenhänge in Betracht gezogen werden:

  1. 𝚨 verursacht 𝐁 (direkter Kausalzusammenhang).
  2. 𝐁 verursacht 𝚨 (umgekehrter Kausalzusammenhang).
  3. Ein drittes Ereignis 𝐂 verursacht sowohl 𝚨 als auch 𝐁 (externer Kausalzusammenhang).
  4. 𝚨 verursacht andere Ereignisse: 𝐂, 𝐃, etc, die wiederum 𝐁 zur Folge haben (indirekter Kausalzusammenhang).
  5. 𝚨 und 𝐁 haben keinen Kausalzusammenhang und treten nur zufällig gemeinsam auf (Scheinkorrelation).
  6. 𝚨 oder 𝐁 sind Beobachtungsfehler und wenigstens einer der Ereignisse tritt in der beschriebenen Form überhaupt nicht so auf (z.B. Frequenzillusion, Prävalenzfehler, etc.)

Alleine von einem gemeinsamen (gleichzeitigen oder aufeinander folgenden) Auftreten lässt sich jedenfalls nicht erklären, welche der o.g. Beziehungen zwischen den Ereignissen besteht.

Abgrenzung

Unter dem Namen „Kausalitätsirrtum“ wird hier die rationale aber irrtümliche Vermutung eines Zusammenhanges zwischen Korrelation und Ursache bezeichnet. Der Begriff fasst die beiden gewöhnlich auf Lateinisch beschriebenen Denkfehler „cum hoc ergo propter hoc“ und „post hoc ergo propter hoc“ zusammen (siehe oben).

Die unter der Rubrik „kognitive Verzerrungen“ gelistete „Kausalillusion“ bezeichnet dagegen einen unbewussten psychologischen Effekt, der gemeinsam oder in zeitlicher Abfolge vorkommende Phänomene als kausal verbunden erscheinen lässt.

Im Bereich „Statistik“ gibt es die „Scheinkorrelation“ (engl.: „spurious correlation“), die sich auf einen statistischen Fehler bezieht, der gemeinsam auftretende („korrelierende“) Phänomene als kausal verbunden erscheinen lässt.

Diese drei Begriffe sind eng miteinander verbunden – möglicherweise handelt es nich nur um unterschiedliche Blickwinkel auf das selbe Phänomen.

Beispiele

Beziehung zwischen Videospielen und Gewalt

In den Medien wird immer mal wieder ein Kausalzusammenhang zwischen gewalttätigen Videospielen und Gewaltakten von Jugendlichen postuliert. Die ließe sich etwa wie folgt darstellen:

Man hört immer häufiger von Gewaltakten durch Jugendliche.
Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit gewalttätigen Videospielen.
———————————————————————————
Gewalttätige Videospiele verursachen Gewalt.

Tatsächlich lassen sich diese Beobachtungen mit allen oben genannten Beziehungsschemata erklären. Mögliche Erklärungsmodelle wären etwa:

  1. Durch den vermehrten Konsum von gewalttätigen Videospielen verrohen die Jugendlichen und neigen dazu, eher zu Gewalt zu greifen (direkter Kausalzusammenhang).
  2. Der Gewaltanstieg in der Gesellschaft führt dazu, dass mehr Videospiele konsumiert werden, etwa als eine Form von Eskapismus (umgekehrter Kausalzusammenhang).
  3. Die bessere Vernetzung über das Internet führt sowohl dazu, dass Computerspiele mit online-Anbindung immer attraktiver werden und sie machen es Gewalttätern einfacher, an Waffen oder Anleitungen zu kommen bzw. von Gleichgesinnten angefeuert zu werden (externer Kausalzusammenhang).
  4. Der Konsum von gewalttätigen Videospielen weckt das Interesse der Spieler an Waffen und Kampfsport, was dazu führt, dass sie dann auch dazu neigen, Konflikte eher mit Gewalt zu lösen (indirekter Kausalzusammenhang).
  5. Der Anstieg von Gewalt und der vermehrte Konsum von Videospielen sind zwei völlig voneinander unabhängige Phänomene, die keinen Kausalzusammenhang haben (Scheinkorrelation).
  6. Es gibt überhaupt keinen faktischen Anstieg der Gewalt, stattdessen werden Gewalttaten heute stärker in den Medien diskutiert, was den subjektiven Eindruck erweckt, sie seien häufiger geworden (Spotlight Fallacy, Frequenzillusion)

An dieser Stelle kann und soll nicht diskutiert werden, welche dieser Erklärungen (oder welche Kombination davon) die wahrscheinlichste ist. Es bleibt festzuhalten, dass alleine aus dem gemeinsamen Auftreten der Phänomene kein Kausalzusammenhang konstruiert werden kann.

Siehe auch

Weitere Informationen

denkfehler/kausalitaetsirrtum.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/14 15:38 von Sascha