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rhetorik:unfaire_diskussionstaktiken:provokation

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rhetorik:unfaire_diskussionstaktiken:provokation [2018/06/26 13:36]
Sascha angelegt
rhetorik:unfaire_diskussionstaktiken:provokation [2019/02/04 22:26]
Sascha [Siehe auch]
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 Gerade wenn es darum geht, vor einem Publikum besser dazustehen, kann man mit dieser Strategie gewöhnlich besser punkten als mit jeder möglichen direkten Erwiderung auf die Provokation. Gerade wenn es darum geht, vor einem Publikum besser dazustehen, kann man mit dieser Strategie gewöhnlich besser punkten als mit jeder möglichen direkten Erwiderung auf die Provokation.
  
 +==== 3. Abbruch oder Ausschluss ====
  
 +Wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, die Diskussion auf die sachliche Ebene zurück zu führen, etwa weil wiederholt nur Provokationen von einem oder mehreren Diskussionsteilnehmern kamen und deutlich kein Interesse an einer sachlichen Diskussion besteht, kann der Abbruch der Diskussion, oder der Ausschluss des Provokateurs das letzte Mittel sein.
  
 +Auf sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook entspräche dies dem Blockieren oder <​html><​span lang="​en"​ title="​Engl.:​ Stillschalten">​Muten</​span></​html>​ des fraglichen Accounts.
  
 +Dies sollte jedoch immer nur ein letztes Mittel sein, also nur nachdem der Provokant mehrfach zum Rückkehren zum Thema aufgefordert wurde. Dies gilt vor allem, wenn Ziel der Diskussion ist, Dritte von den eigenen Argumenten zu überzeugen,​ da ein Ausschluss leicht als Zensur missliebiger Meinungen interpretiert werden kann und so die eigene Glaubwürdigkeit schwächt.
 +
 +Idealerweise sollte der Ausschluss durch einen neutralen Dritten geschehen. In einem Diskussionsforum etwa durch den Foren-Admin oder in einer Panel-Diskussion durch den Moderator.
 +
 +===== Gerechtfertigter Gebrauch =====
 +
 +Wie für viele andere Methoden und Techniken auf dieser Site gibt es auch für Provokationen einen Anwendungsbereich,​ in dem es gerechtfertigt sein kann, durch eine provokative Aussage die Diskussion in eine andere Richtung zu bringen.
 +
 +==== Provokationen als rhetorisches Mittel ====
 +
 +Je nach Kontext und Thema der Diskussion sollte man ein gewisses Maß an Provokation auch als rhetorisches Mittel zulassen. Dies dürfte etwa im Bereich der Kunst (insbesondere Satire) mehr gelten als für schwierige gesellschaftliche Themen, aber grundsätzlich ist nicht jede Provokation unbedingt gleichbedeutend mit einer unfairen Diskussionsstrategie.
 +
 +Allerdings müssen dabei bestimmte Grundregeln eingehalten werden: auch eine Provokation kann sachlich sein und die Diskussion weiter bringen, oder unsachlich und die weitere Diskussion zu unterbinden versuchen.
 +
 +In jedem Fall unsachlich sind hierbei jede Form von Beleidigungen,​ Diffamierungen oder Unterstellungen;​ Dazu gehören auch rassistische,​ sexistische oder sonst irgendwie diskriminierende Äußerungen. Und zwar sowohl bezüglich der Diskussionsteilnehmer als auch von Dritten.
 +
 +Sachliche Beiträge mit provozierendem Charakter sind z.B. Fragen, die den Bereich der Diskussion erweitern und Begriffe und Vorannahmen hinterfragen. Meist wie in folgenden Fall:
 +
 +==== „Gruppendenken“ aufbrechen ====
 +
 +Als „[[psychologie:​begriffe:​gruppendenken|Gruppendenken]]“ (<​html><​i lang="​en"​ title="​Eng.:​ Gruppendenken">​group think</​i></​html>​) bezeichnet man eine Meinung oder Haltung, sich in einer Gruppe durch sozialen Konformitätsdruck etabliert hat und die innerhalb der Gruppe nicht mehr hinterfragt wird.
 +
 +Versuche, so eine Gruppenmeinung zu hinterfragen,​ werden meist sofort als „Provokationen“ empfunden. Nichtsdestotrotz sind sie wichtig und sollten ernst genommen werden, da sie helfen können, vorgefertigte Meinung einem Realitätscheck zu unterziehen.
 +
 +Bei wichtigen Themen kann es sogar hilfreich sein, gezielt eine solche, dann [[rhetorik:​begriffe:​advocatus_diaboli|Advocatus Diaboli]] („Anwalt des Teufels“) genannte, Rolle einzunehmen um gezielt unzureichend ausdiskutierte Meinungen und Lösungsmöglichkeiten einer weitergehenden Untersuchung zu unterziehen.
 +==== Satire ====
 +
 +Im deutschsprachigen Raum hat die //Satire// aus historischen Gründen eine erhebliche „Narrenfreiheit“ gewonnen. Dies führt so weit, dass selbst übelste Beleidigungen,​ die in einem erkennbar satirischen Rahmen geäußert werden, von einem besonderen Schutzrecht Gebrauch machen können.
 +
 +Die Voraussetzung hierfür ist aber, dass es sich für alle wenigstens potentiell erkennbar um Satire handelt. Jemanden zu beleidigen und hinterher zu behaupten, es sei satirisch gemeint gewesen, ist keine gültige Strategie (und wird einem, sollte es vor Gericht gehen, dort nicht weiter helfen).
 ===== Siehe auch ===== ===== Siehe auch =====
  
   * [[rhetorik:​ad_hominem:​beleidigungen|Beleidigungen]]   * [[rhetorik:​ad_hominem:​beleidigungen|Beleidigungen]]
 +  * [[rhetorik:​begriffe:​advocatus_diaboli|Advocatus Diaboli]]
 ===== Weitere Informationen ===== ===== Weitere Informationen =====
 +
   * [[wpde>​Provokation]] auf //​Wikipedia//​   * [[wpde>​Provokation]] auf //​Wikipedia//​
-  * [[https://​www.logicallyfallacious.com/​tools/​lp/​Bo/​LogicalFallacies/​1/​Ad-Hominem-Abusive|Ad Hominem (Abusive)]] auf //Logically Fallacious//​ (Englisch) +  * [[wpde>​Gruppendenken]] auf //Wikipedia//
-  * [[http://​www.fallacyfiles.org/​adhomine.html|Argumentum ad Hominem]] auf //Fallacy Files// (Englisch)+
rhetorik/unfaire_diskussionstaktiken/provokation.txt · Zuletzt geändert: 2019/02/04 22:27 von Sascha